Robert Lewandowski gilt als ein Fußballprofi, der gewissenhaft und erfolgreich seinen Job erledigt. Davon profitiert er, das nützt auch Borussia Dortmund. Doch nun verspielt der Angreifer seinen guten Ruf. Weil er schlecht beraten ist.
Robert Lewandowski, schon mal gehört? Der Mann ist 24 Jahre alt und spielt für Geld Fußball. Zurzeit für Borussia Dortmund. Und weil der polnische Nationalspieler das erfolgreich macht, 24 Tore in der Bundesliga, zehn in der Champions League, ist er nicht nur jung, sondern auch begehrt. Kurzum: Andere Klubs wollen ihn, und er will weg. Oder seine Berater wollen, dass er geht. Zum FC Bayern München, wie es heißt. Oder zu Manchester United, nach Barcelona, Madrid. Oder sonst wohin, Hauptsache gutes Geld und noch besseren Fußball. Guten hat er ja auch in Dortmund.
Wir haben mal alle Fakten gesammelt. Ergebnis: Robert Lewandowski spielt auch in der kommenden Saison für Borussia Dortmund. Schließlich hat er beim BVB einen Vertrag unterschrieben, der bis zum 30. Juni 2014 gilt. Oder er geht zu einem anderen Verein, wenn der genügend Geld für ihn bezahlt. Nur nicht zum FC Bayern, sagt Dortmunds Chef Hans-Joachim Watzke. Mehr gibt es seriös zu diesem Thema nicht zu sagen. Weil wir und andere mehr nicht wissen. Und die, die vielleicht etwas wissen könnten, entweder nichts sagen oder etwas, das nicht stimmt. Wir wissen es nicht.
Auch Robert Lewandowski scheint bisweilen nicht zu wissen, wie es weitergeht, was seine Berater planen. Die Herren Cesary Kucharski und Maik Bartel lassen seit Monaten über die Boulevardmedien und Spiegel online ausrichten, ihr Klient suche dringend einen neuen Arbeitgeber. Und weil es, zumindest in der Parallelwelt des Profifußballs, durchaus interessant ist, für wen einer der besseren Angreifer Europas demnächst seine Tore schießt, reden und berichten alle darüber.
Viele Gerüchte, viel Konjunktiv Das läuft oft so: Hast Du schon gehört? Manchester United! Ach, Quelle? Ein Screenshot der Internetseite des englischen Meisters, auf der angeblich für einige Minuten gestanden haben soll, die Verpflichtung Robert Lewandowskis sei perfekt. Ein Fake, twittern andere. Egal, Hauptsache Theater. Natürlich ist auch der FC Barcelona interessiert, Real Madrid sowieso. Viele Gerüchte, viel Konjunktiv. Robert Lewandowski soll beim FC Bayern zwei Vorverträge unterschrieben haben - auch wenn die Münchner so etwas nie behauptet haben und auch nie, sagen die Borussen, schriftlich und demnach offiziell angefragt haben. Und nun?
Beginnt am 9. August die Saison der Bundesliga, bis zum 31. August dürfen sich die Vereine personell verstärken. Dann schließt auch das Transferfenster in England. Es spricht einiges dafür, dass Robert Lewandowski es bis spätestens dahin schafft, endgültig seinen Ruf als rechtschaffender Fußballer zu ruinieren. Der Spieler gilt als Musterprofi, spricht Deutsch und agiert auf dem Platz scheinbar unbeeindruckt von allem Wirbel. Der Boulevard schießt sich bereits auf ihn ein. Die "Bild"-Zeitung fordert: "Lesen Sie Ihren Vertrag, Herr Lewandowski!" Bis zum Sommer 2014 habe er "verdammt noch mal die Pflicht, Ihre Leistung für Ihren Arbeitgeber zu bringen - wie jeder andere Arbeitnehmer auch!" Und liefert die Übersetzung ins Polnische gleich mit. "Falls Sie Deutsch nicht so genau verstehen."
Was Robert Lewandowski antreibt? Auch das wissen wir nicht. Aber der Gedanke liegt nahe, dass seine Berater eher ihr eigenes finanzielles Wohl im Sinn haben. Und sich weniger darum kümmern, was für den Sportler das Beste ist. Schon wieder so eine Spekulation. Aber ein Berater verdient vor allem, wenn sein Schützling den Verein wechselt und sein Gehalt erhöht wird, bis zu zehn Prozent der gezahlten Beträge als Provision, wie es heißt. So funktioniert das Geschäft. Robert Lewandowski aber ist schlecht beraten. Cesary Kucharski hat das einmal so formuliert: "Es ist Roberts Philosophie im Leben, nach ein paar Jahren etwas anderes zu machen. Er ist neugierig, andere Menschen kennenzulernen, einen neuen Trainer. Er sucht eine neue Inspiration."
Mittlerweile streitet er sich mit seinem Arbeitgeber, wer was gesagt hat. Es wird schmutzig. Der Spieler behauptet, Hans-Joachim Watzke habe ihm zugesagt, gehen zu dürfen. Der BVB lässt ausrichten, alles gelogen. "Eine solche Zusage gab es nicht", sagte Sportdirektor Michael Zorc den "Ruhrnachrichten". Die Wechselposse läuft aus dem Ruder. Vielleicht sollte Robert Lewandowski die Dinge selbst in die Hand nehmen. Und über die Brücke gehen, die ihm Hans-Joachim Watzke gebaut hat. Der Spieler solle sich professionell verhalten, zitiert die Zeitung "Die Welt" den Dortmunder Geschäftsführer. "Ich bin überzeugt, dass er das auch tun wird. 2014, wenn sein Vertrag ausläuft, kann er dann gern nach München wechseln."