Klartext auf einer Hauptversammlung hat immer noch Seltenheitswert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Hohenheim. Doch einige Vorstände aus der Dax-Riege schaffen es doch, ihre Botschaften deutlich rüberzubringen. Am besten kann es BASF-Chef Kurt Bock. Aber auch bei der Telekom schlägt man sich wacker.
BASF-Chef Kurt Bock drückt sich von allen 30 Dax-Vorstandsvorsitzenden am verständlichsten aus. Das ist das Ergebnis einer veröffentlichten Studie der Universität Hohenheim. Auf einer Skala von "0" für "so verständlich wie eine Doktorarbeit" bis "10" für "so verständlich wie Radio-Nachrichten" schaffte es Bock mit seiner diesjährigen Rede zur BASF-Hauptversammlung auf 7,4 Punkte.
Als einer der verständlichsten Topmanager gilt weiterhin Telekom-Chef René Obermann. Mit 7,3 Punkten erreichte der Vorjahressieger demnach in diesem Jahr Rang zwei. Platz drei belegt der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium (6,9), wie die Wissenschaftler weiter mitteilen. Am unverständlichsten redeten demnach der Vorstandschef der Deutschen Börse, Reto Francioni (1,3), Linde-Chef Wolfgang Reitzle (1,4) und der Chef von Deutsche Post DHL, Frank Appel (1,6).
Zu dem Ergebnis kamen die Wissenschaftler durch ihren sogenannten "Verständlichkeitscheck". Dabei analysierten sie die Vorstandsreden der Jahreshauptversammlungen der Dax-Unternehmen. Sie überprüften dabei unter anderem den Abstraktheitsgrad, den Fremdwortanteil und die Satzkomplexität der Reden. Daraus ergab sich der Verständlichkeitsindex.
Im Durchschnitt habe sich die Verständlichkeit der Reden zwar verbessert, noch immer aber erreiche nicht einmal die Hälfte der Manager den mittleren Wert von fünf Punkten, kritisierten die Wissenschaftler. Ihre Reden richteten viele Chefs vor allem auf Analysten und Wirtschaftsjournalisten aus, erklärte Frank Brettschneider, Hohenheimer Professor für Kommunikationstheorie. "Sie vergessen, dass sie auch in die breite Öffentlichkeit wirken können." Bei einigen entstehe der Eindruck, "als wäre die Rede auf der Hauptversammlung für sie nur ein lästiger Pflichttermin", bemängelte Brettschneider.
Die wesentlichen Verständlichkeitshürden sind den Wissenschaftlern zufolge Bandwurmsätze, abstrakte Begriffe, zusammengesetzte Wörter und nicht erklärte Fachbegriffe. Zusammengenommen ergebe sich dann Kauderwelsch statt Klartext.