Einer der größten Internet-Deals aller Zeiten scheint zu platzen: Facebook will das Navigations-Start-Up "Waze" kaufen, bekommt es aber offenbar nicht. Dafür erfährt Facebook späte Genugtuung für seinen verpatzten Börsenstart.
Die Navigations-App "Waze" ist eines der heißesten neuen Unternehmen im Internet. Das Start-Up aus Israel hat bereits 50 Millionen Kunden und steht bei einem Netzgiganten ganz oben auf dem Einkaufszettel: Facebook möchte die Firma kaufen – und beißt sich an der kleinen Firma offenbar die Zähne aus. Wie das Blog "All Things D" berichtet, sind die Verkaufsgespräche geplatzt. Ein Streitpunkt sei gewesen, ob große Teile des Waze-Teams von Israel in die kalifornische Facebook-Zentrale umziehen müssten
Vor gut zwei Wochen hatte es in mehreren Medienberichten geheißen, das weltgrößte Online-Netzwerk wolle Waze für bis zu eine Milliarde Dollar kaufen. Damit wäre das der bisher größte Zukauf von Facebook geworden. Auch Google soll interessiert sein. Die Unternehmen kommentierten die Berichte nicht.
Das besondere an Waze ist, dass Routenanweisungen auch auf Basis von Informationen der Nutzer erstellt werden. Der Dienst funktioniert zugleich wie eine Art Online-Netzwerk für Autofahrer. Sie informieren sich untereinander über Staus, Unfälle oder Radarfallen. Das Start-Up, das in Israel gegründet wurde und den offiziellen Sitz inzwischen nach Kalifornien verlagerte, hat nach bisherigen Informationen 40 bis 50 Millionen Nutzer. Waze könnte auch unabhängig von Facebook bleiben
Nach bisherigen Medienberichten hatte Waze Angebote von mehreren Seiten eingeholt. Zugleich könne das Start-up sich stattdessen aber auch neues Geld bei Investoren besorgen und unabhängig bleiben.
Ein bisschen Genugtuung erfährt Facebook dafür nach seinem verpatzten Börsengang. Die US-Börsenaufsicht SEC brummte dem verantwortlichen Börsenbetreiber Nasdaq eine Strafe von 10 Millionen Dollar auf. Es ist nach Angaben der Behörde die höchste Summe, die jemals ein Börsenbetreiber zahlen musste.
Die Nasdaq-Systeme seien der Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen nicht gewachsen gewesen, erklärte die SEC. Dabei sei bereits im Vorfeld klar gewesen, dass Facebook einen der größten Börsengänge der Geschichte durchführen würde. Die Aufsichtsbehörde warf den Nasdaq-Managern zudem vor, nach dem Ausfall der Systeme falsch gehandelt zu haben.
Die Pannen hatten wie ein Fluch auf der Facebook-Aktie gelastet, die zwischenzeitlich mehr als die Hälfte ihres Wertes einbüßte. Aktuell kostet das Papier knapp 24 Dollar und ist damit immer noch weit vom einstigen Verkaufspreis von 38 Dollar entfernt.